Über 260 Einsatzkräfte sind im ganzen Stadtgebiet im Einsatz um die durchgeweichten Deiche der Oste zu schützen. An mehreren Stellen im Deich wurden kleine Löcher festgestellt, durch die das Wasser durchsickerte.
Beteiligte Ortswehren:
Bremervörde,Bevern, Mehedorf, Iselersheim, Hesedorf, Elm, Spreckens, Minstedt, Nieder Ochtenhausen, Ostendorf,
Hönau- Lindorf, Glinde, Oerel, Barchel, Fahrendorf, Sandborstel, Kuhstedt,Rotenburg,
Kreisfeuerwehr mit ELW 3 , Öel Bremervörde, Abschnittsleiter Bremervörde, Kreisbrandmeister LK ROW ,
SEG Betreuung, Polizei, Bauhof Bremervörde
THW Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen Stade
Bremervörde. Während sich die Hochwassersituation in Augustendorf entspannt hat, spitzte sich die Lage in Bremervörde gestern quasi über Nacht dramatisch zu. Den ganzen Tag über waren rund 200 Feuerwehrleute aus der Region und Spezialisten des Technischen Hilfswerkes (THW) an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet pausenlos im Einsatz, um der Wassermassen Herr zu werden. Nach Auskunft des Wasser- und Schifffahrtsamtes Cuxhaven führte die Oste in Bremervörde seit mehr als 30 Jahren nicht so viel Wasser.
Bereits am späten Dienstagabend wurde die Bremervörder Ortswehr alarmiert. Nach tagelangen Regenfällen drohte Wasser von der Oste in den Keller des vom Bachmann-Museum genutzten Gebäudes an der Vorwerkstraße zu laufen. Die Brandschützer brachten Exponate und Akten ins Obergeschoss in Sicherheit. Parallel dazu wurden auf dem Bauhof bereits die ersten Sandsäcke gefüllt.
Diese wurden dann gestern Morgen auch dringend benötigt. Gegen 7.30 Uhr musste die Feuerwehr erneut ausrücken. Obwohl der Ostepegel in Rockstedt bereits am Dienstagabend wieder sank, war die Oste in Bremervörde über Nacht weiter angestiegen und an mehreren Stellen über die Ufer getreten. Bei Tageslicht wurde das ganze Ausmaß der Hochwassersituation sichtbar.
Betroffen waren vor allen Dingen die Anwohner der Vorwerkstraße, des Wallbeckstals und der Kleinen Findorfstraße sowie Besitzer von Grundstücken entlang des Oereler Kanals. Trockenen Fußes konnten sie ihre Häuser nicht erreichen beziehungsweise verlassen.
Im Hafenbereich stand das Wasser bis wenige Zentimeter vor der Tür des Restaurants „Slump’s am Hafen“. Außerdem war der gesamte Parkplatz überflutet. Bereits in der Nacht hatte die Feuerwehr am Hafen Pumpen in Betrieb genommen und so den Wasseranstieg in Grenzen gehalten.
Besonders stark betroffen vom Hochwasser war Burkhard Stelljes. Sein tiefer gelegenes Grundstück an der Neuen Straße gegenüber dem Oste-Hotel war komplett überschwemmt. „So schlimm habe ich es noch nie erlebt“, sagte der Bremervörder, der seit 1991 in dem Haus lebt. Doch auch vorher, als seine Eltern noch in dem Haus lebten, sei das Wasser nie so hoch gestiegen, sagte Stelljes. Eine Einschätzung, die nahezu uneingeschränkte Zustimmung findet. Auch Bremervördes Stadtbrandmeister Rüdiger Naubert, der den Großeinsatz koordinierte, konnte sich an keine ähnliche Hochwasserlage erinnern.
Während Keller leergepumpt beziehungsweise mit Sandsäcken vor den Wassermassen geschützt wurden, kristallisierte sich im Laufe des Vormittages eine weitere kritische Stelle heraus. Am Vörder See – wenige Meter hinter dem DLRG-Turm – lief Wasser von der Oste über den Deich in Richtung See. „Wenn der Deich hier nachgibt, wird die Lage unkontrollierbar“, sagte Stadtbrandmeister Rüdiger Naubert gegenüber unserer Zeitung, nachdem er sich vor Ort gemeinsam mit Ordnungsamtsleiter Rüdiger von der Lieth ein Bild der Situation gemacht hatte.
Um schnell handeln zu können, wurden mehrere Feuerwehren aus der Samtgemeinde Geestequelle und der Gemeinde Gnarrenburg angefordert. Kurze Zeit später füllten rund 80 Feuerwehrleute Sandsäcke und stabilisierten damit den durchnästen Deich.
„Der Hauptproblembereich konnte abgesichert werden“, betonte Ulrich Gerdes, Geschäftsführer des Ostedeichverbandes gegenüber der BZ. So sei es auf einer Länge von 30 Metern zu einer „leichten Deichabsackung“ gekommen. „Man hätte nicht zugucken dürfen. Der Einsatz der Feuerwehr war absolut notwendig. Die Hauptgefahr ist jetzt aber gebannt“, sagte Gerdes gestern Nachmittag. Die Deichgeschworenen des Verbandes haben gestern laufend Kontrollfahrten und -gänge vorgenommen, um sich ein Bild von der Lage zu verschaffen.
Dass sich die Lage gestern nicht noch weiter zugespitzt hat, lag neben dem Feuerwehreinsatz noch an zwei weiteren Faktoren: „Das Ostesperrwerk in Neuhaus wurde geschlossen. So drückt kein Hochwasser von der Unteren Oste in Richtung Bremervörde und deshalb kann das Hochwasser der Oberen Oste schneller in Richtung Elbe abfließen“, erklärte Gerdes. Außerdem sei erstmals der so genannte Überflutungspolder Fresenburg in Anspruch genommen worden: Auf einer Länge von von 25 Metern flossen somit kontrolliert riesige Wassermassen in die Fresenburg, so dass die Gefahrenbereiche weiter entlastet worden seien, betonte Gerdes.
Der letzte Pegelhöchtsstand von 2002 (9,32 Meter) am Messpunkt Rockstedt wurde gestern mit 9,36 Meter übertroffen, sagte Gerdes. Auch die Messwerte in Bremervörde sprachen für sich: Wie das Wasser- und Schifffahrtsamt Cuxhaven (WSA) gestern auf Anfrage der Redaktion mitteilte, betrug der Pegel in Bremervörde – gemessen im Hafenbereich – über Stunden 8,12 Meter. Zum Vergleich: Das mittlere Tiden-Hochwasser betrug im vergangenen Jahr nur 6,45 Meter. Elektronisch werden die Daten laufend an das WSA übertragen. Über Stunden schwankte der Pegel im Hafen zwischen 8,11 und 8,12 Zentimeter, wie die gewässerkundliche Abteilung der Cuxhavener Behörde mitteilte.
Die ersten Einsatzkräfte konnten ihren Einsatz gestern Nachmittag beenden. Angespannt blieb die Situation jedoch bis gestern Abend dennoch – beispielsweise am Hafen. Das Problem dort: Rückschlagventile hielten dem Wasserdruck nicht stand, so dass Wasser aus dem Hafenbecken durch das Kanalnetz auf die Straße drückte. Sowohl die Feuerwehr als auch des THW Stade, das eine Hochleistungspumpe im Einsatz hatte, pumpten das Wasser ständig zurück ins Hafenbecken.
Im Bereich der Star-Tankstelle kam es gestern den ganzen Tag über zu Verkehrsbehinderungen, da Wasser im Kurvenbereich auf der Straße stand. Bis zum Abend hatten die rund 200 Feuerwehrleute, die von einer DRK-Schnelleinsatzgruppe verpflegt wurden, insgesamt 25.000 Sandsäcke gefüllt.
Entgegen anders lautender Verkehrsmeldungen, die von einigen Radiosendern verbreitet worden sein sollen, war die Ostebrücke zu keiner Zeit gesperrt, sagte die Bremervörder Polizei. Bis Redaktionsschluss war die Feuerwehr gestern weiter im Einsatz.
Von Corvin Borgardt und Thomas Schmidt ( Bremervörder Zeitung )